Werke

Tears2 Olaf Nicolai: Welcome to the Tears of St. Lawrence

Olaf Nicolai: Welcome to the Tears of St. Lawrence. An Appointment to Watch Falling Stars.

Herstellungsjahr 2005 Technik: Aufforderung in verschiedener Form Masse: Abhängig vom Träger

Der deutsche Konzeptkünstler Olaf Nicolai lenkt mit seinem Werk "Welcome to the Tears of St. Lawrence" jedes Jahr im August den Blick auf den Meteorschauer der Perseiden – die sogenannten Tränen des Laurentius – und thematisiert damit das Sehen an sich.

Olaf Nicolais Arbeit „Welcome to the Tears of St. Lawrence“ besteht in der Aufforderung, in der Zeit vom 8. bis 13 August zum Himmel zu sehen und dort die sogenannten Tränen des Laurentius zu beobachten. Unter den „Tränen des Laurentius“ versteht man den Meteorschauer der Perseiden, einen Sternschnuppenregen, der vom Sternbild Perseus auszugehen scheint. Jedes Jahr in den Tagen um den 12. August sind die fallenden Sterne zu beobachten. Bei guter Witterung sind bis zu 100 Sternschnuppen in der Stunde zu sehen. Seinen Namen „Tränen des Laurentius“ verdankt der Meteorschauer der zeitlichen Nachbarschaft zum Tag des heiligen Laurentius, dem 10. August. Der heilige Laurentius verteilte der Legende nach den Kirchenschatz unter den Armen statt ihn, wie gefordert, dem römischen Kaiser Valerian auszuhändigen, wofür er auf einem Grillrost zu Tode gefoltert wurde. Die Sternschnuppen werden als die glühenden Tränen des Heiligen gedeutet.

„Welcome to the Tears of St. Lawrence“ wurde von Olaf Nicolai für die 51. Biennale 2005 in Venedig und gehört heute der Sammlung Thyssen-Bornemisza Art Contemporary. Seit August 2009 wird die Arbeit als Dauerleihgabe im Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen gezeigt. Zwischen Arbeit und Ort besteht dabei ein direkter Bezug, ist doch der heilige Laurentius der Kirchenpatron der Kartause Ittingen. Wesentlicher Teil des Werks ist die durch Olaf Nicolai gestaltete Aufforderung, in den Himmel zu schauen. Vermittelt wird sie über Plakate, Inserate und eine Broschüre.

Die Aufforderung, in den Himmel zu schauen, wird in Ittingen jedes Jahr begleitet durch eine Veranstaltung am Tag des Schauermaximums. 2013 fand dieses am 12. August statt. Den Auftakt zur Sternschnuppen-Beobachtung 2013 machte die Kulturjournalistin Sieglinde Geisel, die sich in ihrem Buch „Nur im Weltall ist es wirklich still“ intensiv mit der Wahrnehmung des Lärms auseinandergesetzt hat.

Was als Lärm oder Stille empfunden wird, hängt stark von individuellen Vorstellungen ab. Die Stille ist ein Idealzustand, dessen Herstellung – insbesondere über längere Zeiträume – nicht einfach ist. Sieglinde Geisel öffnet in ihren Ausführungen den weiten Bogen vom Lärm über Geräusch zu Klang und Stille und führt ihr Publikum ein in eine bewusstere Wahrnehmung dessen, was an Akustischem stört oder erfreut. Ihre Reflexionen über die heutige Erfahrung von Lärm und Stille finden in der Kartause Ittingen einen gleichsam natürlichen Kontext, gehört doch der Kartäuserorden zu jenen Mönchsgemeinschaften, in denen Schweigen und Stille eine wichtige Voraussetzung für ein spirituelles Leben bilden.

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