Laufende und zukünftige Ausstellungen

EsploirationsMartienne.jpg André Robillard: Esploiration Martienne (Marserkundung), 2012. Foto: Mirjam Wanner. EnsembleChenilettelunaire.jpg André Robillard: Neil Armstrong mit Mondfahrzeug- und gestein, 2012  2013. Foto: Mirjam Wanner. ConqueteLune.jpg André Robillard: La Conquête de la Lune, 2012. Foto: Mirjam Wanner. SoucoupeVolanteMarsienne.jpg André Robillard: Soucoupe Volante Marsienne, 2014. Foto: Mirjam Wanner Elephant.jpg André Robillard: Elephant bleu , 2011. Foto: Mirjam Wanner 1980Fusil-IndienRapideW.jpg André Robillard: Fusil Indien Rapide WA18, ca. 1980. Foto: Mirjam Wanner. Rolfe5.jpg André Robillard in der Ausstellung, 29.3.2015. Foto: Olivier Rolfe. Rolfe20.jpg André Robillard in der Ausstellung, 29.3.2015. Foto: Olivier Rolfe. Rolfe19.jpg André Robillard in der Ausstellung, 29.3.2015. Foto: Olivier Rolfe.
29. März 2015 – 12. August 2015

Das Universum des André Robillard

Waffen, Weltall, wilde Tiere

André Robillard gehört zu den bekanntesten Künstlern der Art brut. Seit über einem halben Jahrhundert baut er aus Abfall erschreckend faszinierende Welten der Phantasie: Alte Metallteile, ausgediente Glühbirnen und fragmentierte Apparate verwandeln sich in Waffen, Sputniks und Tierskulpturen.

Als Hilfsarbeiter einer psychiatrischen Klinik bei Orléans, in der er zuvor Patient gewesen war, begann André Robillard 1964 aus Fundstücken und Klebeband Gewehre zu basteln. Der Künstler und Kunsttheoretiker Jean Dubuffet wurde auf die bizarren Objekte aufmerksam und nahm sie in seine wegweisende Sammlung mit Kunst von Aussenseitern auf. Sie wurde 1976 als Museum Collection de l’Art Brut in Lausanne der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Diese Wertschätzung inspirierte Robillard, sein Themenspektrum zu erweitern: Begeistert von den Weltraummissionen der USA und der UdSSR konstruierte er Raketen, Ufos und andere Raumfahrzeuge, bemannt mit Neil Armstrong, Juri Gagarin oder Laika, dem ersten Hund im All. Mit Elektroschrott, Kunststoffresten und ausrangiertem Spielzeug erzählt André Robillard von den „Sternstunden“ der Menschheit. Nicht nur Laika, die gesamte Tierwelt ist eine weitere, unerschöpfliche Inspirationsquelle für den mittlerweile 83-Jährigen, der in seinen Fantasiewelten Kind geblieben zu sein scheint. Heute ist André Robillard der letzte lebende Künstler, dessen Werk noch von Jean Dubuffet persönlich in die Collection de l’Art Brut aufgenommen wurde.

Waffen, Weltall und Wildnis – in diesen Themen spiegelt sich auch die Epoche, die den 1931 geborenen Franzosen geprägt hat: Als Jugendlicher war André Robillard mit der Bedrohung des Zweiten Weltkriegs konfrontiert, auf die das Wettrüsten des Kalten Kriegs und der rasende Fortschritt in Raumfahrt und Technik folgten, schliesslich die überbordende Konsumwelt und das Verschwinden von Lebensraum für Mensch und Tier. Trotz seiner vermeintlichen Randständigkeit spiegelt Robillards Schaffen zentrale Fragestellungen der Kunst seiner Zeit wieder: sei es die Verfremdung von Alltagsgegenständen zu surrealen Objekten, sei es die Massenhaftigkeit von Konsumprodukten und deren Verbindung zu und mit Waffengewalt. Parallel zum „offiziellen“ Kunstbetrieb verfremdet, entlarvt und mythologisiert der Aussenseiter die militarisierte Welt wie auch die explodierende Warenwelt. So faszinieren André Robillards Assemblagen nicht nur, weil sie zugleich verspielt, poetisch und brutal sind. Sie bilden Universen, die auf hintergründige Weise die Geschichte des 20. Jahrhunderts reflektieren.

Die Ausstellung „Das Universum des André Robillard. Waffen, Weltall, wilde Tiere“ im Kunstmuseum Thurgau inszeniert mit über 150 Skulpturen und Bildern aus der Sammlung Frédéric Lux die fantastische Welt des André Robillard. Neben einer „Waffenkammer“ mit skurrilen Gewehren entführen Astronauten, Raketen und Sputniks in die Weiten des Alls, während Elefanten, Raubkatzen und Dinosaurier die schöne wie auch gefährliche Natur versinnbildlichen. Zum ersten Mal im deutschen Sprachraum lässt sich ein umfassender Einblick gewinnen in André Robillards Kosmos zwischen Naivität, Gewalt und Kreativität. Die Ausstellung wurde möglich durch die Zusammenarbeit mit dem französischen Kunstsammler Frédéric Lux, der den Künstler seit Jahren begleitet.



Begleitend zur Ausstellung erscheint die deutsch-englische Buchpublikation "Das Universum des André Robillard. Waffen, Weltall, wilder Tiere" im Verlag für moderne Kunst, 96 Seiten, mit Texten von Markus Landert, Stefanie Hoch und Frédéric Lux sowie zahlreichen farbigen Abbildungen. ISBN: 978-3-903004-00-9.



Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung:

So 29. März 2015, 11.30 Uhr

Vernissage: Das Universum des André Robillard. Waffen, Weltall, wilde Tiere.
Einführung: Stefanie Hoch, Kuratorin der Ausstellung

Mi 1. April 2015, 17.15 Uhr
Einführung für Lehrpersonen und Interessierte in die Ausstellung "Das Universum des André Robillard". Anmeldungen bitte bis Montag, 30. März 2015 an sekretariat.kunstmuseum[at]tg.ch oder 058 345 10 60

Mi 22. April 2015, 14-16 Uhr
U-Boot im Urwald: Phantasieobjekte aus Abfall. Workshop für Kinder ab 6 Jahren mit Anna Bühler. Bitte um Anmeldung bei sekretariat.kunstmuseum[at]tg.ch oder 058 345 10 60

Mo 8. Juni 2015, 19 Uhr
Feierabend im Museum: Waffen und andere Männerfantasien in der Kunst.
Prof. em. Dr. Klaus Theweleit im Gespräch mit Museumsdirektor Markus Landert.

Mi 12. August 2015, 20 Uhr
Ins Weltall Schauen. Die Arbeit "Tears of St. Lawrence" von Olaf Nicolai und "Das Universum des André Robillard" bieten den Anlass für einen Blick in den Nachthimmel.
Zu Gast: Steve Schild, der Thurgauer unter den letzten 100 Anwärtern für die Mars-Mission "Mars-One"

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie in unserer Agenda.