Laufende und zukünftige Ausstellungen

1_Dietrich_JungemitAmsel.jpg Adolf Dietrich: Knabenporträt mit Amsel, 1909, Bleistift und Pastellkreide auf Papier, 44 x 29 cm, Kunstmuseum Thurgau 4_Raubmöve_1900.jpg Adolf Dietrich: "Raubmöve", 1900, Aquarell auf hellbraunem Papier, 43,5 x 57,7 cm, Kunstmuseum Thurgau 5_TigernachVorlage_Ins.jpg Adolf Dietrich: "Tiger nach Vorlage", undatiert, Kohle auf beigem Papier, weiss gehöht, 30,5/31,2 x 49,6/50,7 cm, Nachlass Adolf Dietrich
27. August 2017 – 17. Dezember 2017

Adolf Dietrich. Mondschein über dem See

Die Ausstellung „Adolf Dietrich – Mondschein über dem See“ macht zum ersten Mal sichtbar, wie das Ausnahmetalent vom Bodensee seine Bilder erfand und mithilfe eines zeichnerischen Prozesses zu den heute beliebten Meisterwerken vervollständigte.

Bis heute gilt Adolf Dietrich als Maler. Lange Zeit waren seine Ausstellungen vor allem mit Gemälden bestückt und selbst wenn Zeichnungen gezeigt wurden, fanden diese kaum je grössere Aufmerksamkeit. Die Ausstellung „Adolf Dietrich – Mondschein über dem See“ stellt nun die Behauptung auf, dass die Malerei von Dietrich ohne dessen Zeichnungen nicht möglich gewesen wäre.

Eingeweihten war die Bedeutung des zeichnerischen Schaffens schon zu Lebzeiten des Künstlers bewusst. Besucher von Dietrichs Malstube in Berlingen bewunderten die Zeichnungen und Skizzenbücher und empfanden es als Auszeichnung, wenn ihnen Einblick in die kleinen Meisterwerke gewährt wurden. Der Künstlerkollege und Arzt Max Boller (1897–1986) etwa schildert anschaulich, wie bei seinem Besuch durch die Hefte geblättert wurde:

„Wenn er [Dietrich] ganz guter Laune war, dann holte er aus dem Durcheinander seiner Kommode seine Skizzenbücher hervor. Mit feinstem Stift hat er alles festgehalten, was er später malen wollte. Es waren dies Seepartien, geheimnisvolle Waldecken, Blumen, Tiere, Rehe, Füchse, Eichhörnchen, Marder und alle Vogelarten zu Wasser und zu Lande; sogar ein Fischstillleben hat er gezeichnet. Mit feiner Handschrift hat er die Farben in die einzelnen Landschaftspartien eingetragen, so z. B. dunkelblauen Himmel, hellgrünen Wald, gelbe Blumen.“

Die Arbeiten auf Papier dienten dem Künstler als unabdingbare Vorlage für die Bildproduktion. Auf den kleinen Blättern der unscheinbaren Skizzenbücher ist alles, was Dietrichs Bilder ausmacht, schon enthalten. Beim Zeichnen entwickelte der Künstler seine Gemälde bereits in ihrer Ganzheit. Die Umsetzung dieser meisterlichen Miniaturen mit dem Pinsel auf dem Malkarton war dann nur noch eine handwerkliche, mechanische Fertigstellung dessen, was in der Zeichnung bereits umfassend vorbestimmt war. Das Malen, obwohl durchaus konzentriert vollzogen, forderte Dietrich offensichtlich keine Mühen ab, da in der Zeichnung alle wichtigen gestalterischen Entscheidungen bereits festgelegt worden waren. Die Arbeit mit dem Pinsel beschränkte sich auf reines Handwerk: Dietrich war eben ein Zeichner, der malte.

Die Ausstellung „Adolf Dietrich – Mondschein über dem See“ erschliesst das Werk des Berlinger Künstlers erstmals ausgehend von dessen zeichnerischen Tätigkeit. Zeichnungen und Skizzenbücher aus dem Nachlass werden in Beziehung gesetzt zu den Meisterwerken des Malers, sodass sich die Arbeitsweise und das bildnerische Denken des Künstlers in einem aufschlussreichen Bilderreigen erschliesst. Dank zahlreicher Leihgaben aus Museen und von privaten Leihgebern kann das Gesamtwerk des Künstlers neu erlebt werden.

Zur Ausstellung ist soeben die Publikation „Adolf Dietrich. Der Zeichner malt“ erschienen, in der das Werk des Berlinger Malers unter diesem innovativen Aspekt vorgestellt wird.

Anbei zwei Links zum Beiträgen in der Tagesschau des SFR vom 27. August 2017 und von art-tv.

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